FKB Zürich
Fachverband für Kies- und Transportbetonwerke im Kanton Zürich

I. Allgemeines


1. Die Bedeutung von Kies

Die Förderung von Sand und Kies ist weltweit von grosser Bedeutung. Sie nimmt in der Mengenordnung den Spitzenplatz der wichtigsten mineralischen Rohstoffe ein. In der Schweiz sind Sand und Kies sowohl mengenmässig als auch bezüglich Wertschöpfung die wichtigsten Rohstoffe. Der Abbau von Sand und Kies zählt zu den existenzsichernden Bereichen einer Volkswirtschaft. Als Teil der so genannten Urproduktion bildet er die Grundlage jeder baulichen Entwicklung: Kies und Sand sind die wichtigsten Baustoffe – gestern, heute und in Zukunft.

1996 betrugen die weltweiten Fördermengen rund 9 Milliarden Tonnen. Wertmässig entspricht dies dem Dreifachen der Steinkohle- oder Erdölförderung. Sand und Kies befinden sich an vierter Stelle der weltweiten Rohstoff-Werteskala.

Der gesamtschweizerische Jahresbedarf an Sand und Kies beträgt mehr als 25 Millionen Kubikmeter. Dies entspricht 46 Millionen Tonnen bzw. 3 Kubikmeter oder 5.5 Tonnen pro Einwohner. Der Sand- und Kiesbedarf wird zu 90% durch über 400 schweizerische Kieswerke gedeckt. 10% der benötigten Menge werden importiert. In der Kiesproduktion sind rund 5000 Beschäftigte tätig, die einen Gesamtumsatz von mehr als einer Milliarde Franken jährlich (inklusive Beton) erwirtschaften.


2. Sand und Kies sind unersetzlich für die Bauwirtschaft

  • Sand und Kies bilden die Gesteinskörnung für Beton und Mörtel. Beton ist dank seinen idealen Eigenschaften der weitverbreitetste Baustoff. Nebst Sand und Kies wird für die Betonproduktion Zement und Wasser benötigt.
     
  • Wir wohnen in Häusern, die aus Beton gebaut sind und zahlreiche Infrastrukturbauten, die wir täglich nutzen, sind ebenfalls aus Beton errichtet worden.
     
  • Wir fahren auf Strassen, deren Koffer aus Kies und deren Beläge aus gebrochenem Kies, Sand und Bitumen bestehen. Flugpisten, Quartierwege und Waldstrassen müssen ebenfalls auf einem tragfähigen Untergrund in Form eines Kieskoffers gebaut werden.
     
  • Bahnreisende fahren auf einem Schienentrassee bzw. auf einem Hartschotterbett.
     
  • In Naturbädern dient Kies als Bodengrund oder zur Filtrierung.
     
  • Filterkies wird auch für Retentionsbodenfilter zur Abwasserbehandlung verwendet.
     
  • Kies findet in verschiedenen Formen im Garten und Landschaftsbau Verwendung.
     
  • Für Dach- oder Dachrandbekiesungen wird gewaschener Rundkies benötigt.


3. Wesentliche Kostenfaktoren der Sand- und Kiesproduktion

  • Die Lage und die Qualität des Kiesvorkommens (z.B. Höhe des Schlammanteils)
     
  • Das Abbauverfahren
     
  • Energie- und Personalkosten
     
  • Kosten für Maschinen und Anlagen
     
  • Auflagenbedingte Kosten (Gewässer, Landschafts- und Immissionsschutz, Wiederinstandstellung und Rekultivierung, Transport)
     
  • Kosten für den Kieserwerb, z.B. Zukauf fehlender Komponenten, um spezifischen Kundenbedürfnissen entsprechen zu können.


II. Kiesabbau

Dem eigentlichen Kiesabbau geht ein umfangreicher Planungs- und Bewilligungsprozess mit zahlreichen Vorabklärungen sowie vorbereitende Massnahmen voraus. Ein Prozess, der sich über mehrere Jahre hin erstrecken kann:

  • Lokalisierung geeigneter Rohstoffvorkommen anhand geologischer Karten und durch geologische Geländebeurteilungen
     
  • Durchführung von Sondierungen, Probeschürfungen und Bohrungen
     
  • Voruntersuchungen der Qualität und Quantität des Rohmaterials
     
  • Bestimmung der Erschliessungsmöglichkeiten, Wahl der Abbautechnik
     
  • Kostenkalkulation bis und mit Rekultivierung
     
  • Vereinbarungen mit Grundbesitzern
     
  • Behördliches Bewilligungsverfahren
     
  • Erstellen der Infrastruktur
     
  • Abtragen / Sicherstellen der Bodenschicht für die spätere Wiederherstellung


Der Abbau- und Gestaltungsplan enthält folgende Punkte:

  • Festlegung des Abbaugebietes (Abbauperimeter)
     
  • Abbau- und Auffüllkoten
     
  • Festlegung der Abbauetappen
     
  • Erschliessung des Abbaugeländes
     
  • Grubenentwässerung und Entwässerung des wiederhergestellten Geländes
     
  • Lager für das Bodenmaterial inklusive Boden-Massenbilanz
     
  • Endgestaltung und Rekultivierungsziel


Heute ist nur noch ein im Detail geplanter, landschaftsgerechter Kiesabbau möglich. Die Folgenutzung eines Kiesareals wird bereits bei der Erteilung der Bewilligung zum Kiesabbau definitiv festgelegt. Je nach Nutzungsart werden unterschiedliche Ziele verfolgt:

  • Bei einer landwirtschaftlichen Folgenutzung stehen Kriterien wie die Bodenfruchtbarkeit bzw. das Ertragspotential, die Geländeform im Hinblick auf die Bewirtschaftung sowie die Eingliederung des rekultivierten Areals (optisch, funktional) im Vordergrund.
     
  • Bei einer ökologischen Nutzung stehen die Artenvielfalt und die natürliche Sukzession im Vordergrund.


In der Schweiz werden Sand und Kies vorwiegend im so genannten Trockenbau gewonnen. Rund 80% des gesamtschweizerischen Kiesbedarfs wird in landwirtschaftlich genutztem Gebiet abgebaut. Die Kiesgruben liegen in den Kiesterrassen der Täler, also dort, wo Sie durch die nacheiszeitlichen Flüsse abgelagert wurden. Kiesterrassen sind wichtige Grundwasserträger. Der Abbau ist deshalb nur oberhalb des Grundwasservorkommens gestattet. Die Abbautiefe ist behördlich festgelegt.

Der Abbau erfolgt entweder stufenweise oder mittels einem Hochdruck-Wasserstrahl. In den obersten Schichten ist das Rohmaterial sehr grob und mit grossen Steinen durchsetzt, in unteren Bereichen sehr fein mit einem hohen Sandanteil. Mit der Wasserstrahl-Methode kann sichergestellt werden, dass das Rohmaterial bereits beim Abbau gut durchmischt wird.